Weniger bekannte essbare Wildfrüchte
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Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren erkennen die meisten Menschen sofort. Doch an Waldrändern, in Hecken und Gärten wachsen auch Früchte wie Schlehen, Kornelkirschen, Mispeln oder Felsenbirnen. Viele davon wurden früher gesammelt und verarbeitet, heute sind sie jedoch weitgehend aus unserem Alltag verschwunden. Manche schmecken direkt vom Strauch, andere werden erst durch Reifung oder Verarbeitung interessant.
Schlehe – essbar, aber ausgesprochen herb
Die kleinen dunkelblauen Früchte der Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, erinnern äußerlich ein wenig an sehr kleine Pflaumen. Das ist kein Zufall: Die Schlehe gehört wie Pflaume und Kirsche zur Gattung Prunus. Wer eine noch nicht vollreife Schlehe probiert, erlebt allerdings eine Überraschung. Die Früchte schmecken sauer, herb und stark zusammenziehend. Dafür sind insbesondere Gerbstoffe verantwortlich. Mit zunehmender Reife und nach Kälteeinwirkung wird ihr Geschmack milder. Traditionell werden Schlehen beispielsweise zu Gelee, Mus, Saft, Sirup oder Likör verarbeitet. Die Steinkerne sollten dabei nicht zerkleinert und mitverarbeitet werden.
Kornelkirsche – eine Kirsche, die keine Kirsche ist
Die Kornelkirsche trägt längliche, leuchtend rote Früchte. Trotz ihres Namens gehört sie nicht zu den eigentlichen Kirschen, sondern zu den Hartriegelgewächsen. Vollreife Früchte sind essbar und besitzen einen säuerlich-fruchtigen Geschmack. Je reifer und weicher sie werden, desto angenehmer wird meist ihr Aroma. Kornelkirschen lassen sich unter anderem zu Gelee, Konfitüre, Fruchtaufstrich, Saft oder Kompott verarbeiten.
Mispel – eine fast vergessene Frucht
Die Mispel war in Europa früher wesentlich verbreiteter als heute. Ihre bräunlichen Früchte sehen ungewöhnlich aus und werden nicht wie ein knackiger Apfel gegessen. Frisch vom Baum sind sie zunächst hart und aufgrund ihrer Gerbstoffe stark herb. Erst wenn sie vollständig nachreifen und weich werden, verändert sich ihr Geschmack und das Fruchtfleisch wird genießbar. Dann lassen sich Mispeln beispielsweise zu Mus, Gelee oder Konfitüre verarbeiten. Gerade deshalb ist die Mispel ein gutes Beispiel für eine Frucht, bei der der richtige Reifezustand entscheidend ist.
Felsenbirne – essbare Früchte am Zierstrauch
Die Felsenbirne kennen viele eher als Strauch aus Gärten und Parks. Ihre kleinen dunkelvioletten Früchte sind jedoch essbar. Reif schmecken sie süßlich und fruchtig. Je nach Art und Reife kann ihr Aroma ein wenig an Heidelbeeren erinnern. Auch die Felsenbirne zeigt damit, dass manche Pflanzen, die wir hauptsächlich als Ziergehölze wahrnehmen, essbare Früchte hervorbringen.
Maulbeere – Aussehen wie eine längliche Brombeere
Maulbeeren können je nach Art und Sorte dunkelviolett, rötlich oder hell sein. Äußerlich erinnern sie etwas an längliche Brombeeren. Reife Früchte sind weich, saftig und meist süß. Sie können frisch gegessen oder beispielsweise zu Gelee, Fruchtaufstrich, Saft oder Sirup verarbeitet werden. Maulbeeren waren auch in Deutschland früher bekannter. Eine besondere Rolle spielte der Maulbeerbaum allerdings nicht wegen seiner Früchte: Seine Blätter dienten als Nahrung für Seidenraupen.
Aronia – die herbe Apfelbeere
Die Aronia, auch Apfelbeere genannt, bildet kleine dunkelviolette bis fast schwarze Früchte. Ihr Geschmack ist säuerlich, herb und stark zusammenziehend. Deshalb werden Aroniabeeren häufig verarbeitet und beispielsweise für Saft, Gelee oder Fruchtaufstriche verwendet. Botanisch gehört auch die Aronia zu den Rosengewächsen und ist damit unter anderem mit Apfel, Birne und Mispel verwandt.
Holunderbeeren – essbar, aber nicht roh naschen
Die schwarzen Früchte des Schwarzen Holunders werden traditionell zu Saft, Gelee, Mus oder anderen Zubereitungen verarbeitet. Hier ist allerdings eine Besonderheit wichtig: Rohe beziehungsweise unzureichend erhitzte Holunderbeeren können unerwünschte Beschwerden hervorrufen. Auch unreife Früchte und andere Pflanzenteile enthalten problematische Inhaltsstoffe. Deshalb werden Holunderbeeren vor dem Verzehr ausreichend erhitzt. Der Holunder zeigt besonders gut, warum man bei Wildfrüchten nicht einfach davon ausgehen sollte, dass „essbar“ automatisch „roh essbar“ bedeutet.
Berberitze – sauer und heute eher ungewöhnlich
Die Berberitze trägt kleine längliche rote Früchte. Sie schmecken sauer und fruchtig-herb. Während Berberitzen bei uns eher selten auf dem Speiseplan stehen, sind die getrockneten Früchte beispielsweise in der persischen Küche eine traditionelle Zutat. Auch hier muss zwischen den reifen Früchten und anderen Teilen der Pflanze unterschieden werden. Nicht sämtliche Pflanzenteile sind für den Verzehr geeignet.
Sanddorn – leuchtend orange und sauer
Die orangefarbenen Früchte des Sanddorns besitzen einen ausgesprochen kräftigen, säuerlichen Geschmack. Direkt vom Strauch treffen sie deshalb nicht unbedingt jeden Geschmack. Verarbeitet werden sie unter anderem zu Saft, Gelee, Fruchtaufstrich oder Sirup. Sanddorn zeigt damit etwas, das für viele weniger bekannte Früchte gilt: Eine Frucht muss nicht süß schmecken, um kulinarisch interessant zu sein.
Warum sind viele dieser Früchte heute so unbekannt?
Viele Wild- und alte Obstarten passen weniger gut zu unseren heutigen Erwartungen an Tafelobst. Schlehen sind herb, Kornelkirschen säuerlich, Mispeln müssen erst weich werden und Holunderbeeren werden vor dem Verzehr erhitzt. Genau diese Eigenschaften waren früher aber kein Grund, die Früchte nicht zu nutzen. Durch Kochen, Einkochen, Trocknen oder andere Formen der Verarbeitung ließen sie sich auf ganz unterschiedliche Weise verwenden. Und gerade ihre Säure, Bitter- und Gerbstoffe sorgen für Aromen, die sich deutlich von süßen Erdbeeren oder Himbeeren unterscheiden.
Essbar bedeutet nicht automatisch roh essbar
Bei Wildfrüchten ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Dass eine Pflanze essbare Früchte hervorbringt, bedeutet nicht, dass sämtliche Teile der Pflanze oder jede Reifestufe zum Verzehr geeignet sind. Unbekannte Früchte sollte man deshalb niemals allein aufgrund von Farbe, Form oder Ähnlichkeit mit einer bekannten Art probieren. Eine sichere Bestimmung der Pflanze ist Voraussetzung. Wer Schlehe, Kornelkirsche, Mispel oder andere alte Wildfrüchte wiederentdeckt, entdeckt damit aber auch eine Geschmackswelt, die heute im Obstregal nur noch selten zu finden ist.