Zitronen und Orangenmarmelade im Glas

Was bringt Marmelade zum Gelieren?

Was bringt Marmelade zum Gelieren?

Früchte bestehen zu einem großen Teil aus Wasser. Werden sie zerkleinert und erhitzt, entsteht zunächst eine eher flüssige Fruchtmasse. Damit daraus Marmelade oder ein streichfähiger Fruchtaufstrich wird, muss die Masse gelieren. Doch wodurch wird Marmelade eigentlich fest? Die bekannteste Antwort lautet Pektin. Dieser natürliche Bestandteil vieler Früchte kann Flüssigkeit in einer gelartigen Struktur binden. Wie gut das funktioniert, hängt jedoch von der Frucht, ihrem natürlichen Pektingehalt und weiteren Bestandteilen der Rezeptur ab. Reicht das in der Frucht enthaltene Pektin nicht aus, kann zusätzliches Pektin verwendet werden. Daneben gibt es Gelierzucker sowie andere pflanzliche Geliermittel wie Agar-Agar. Sie führen auf unterschiedlichen Wegen zur gewünschten Konsistenz.

1. Natürliches Pektin – das Geliermittel in der Frucht

Pektin ist ein natürlicher Bestandteil pflanzlicher Zellwände. Es sorgt unter anderem dafür, dass Früchte ihre Struktur und Festigkeit behalten. Besonders viel Pektin befindet sich in den Zellwänden und den festen Bestandteilen der Früchte. Beim Verarbeiten und Erhitzen wird Pektin aus dem Pflanzengewebe freigesetzt. Unter den richtigen Bedingungen können sich die Pektinmoleküle miteinander verbinden und ein feines Netzwerk bilden. Dieses hält Wasser in der Fruchtmasse fest – sie geliert.

Welche Früchte enthalten viel Pektin?

Der natürliche Pektingehalt unterscheidet sich erheblich von Frucht zu Frucht. Zu den pektinreicheren Früchten gehören beispielsweise: Äpfel, Quitten, Johannisbeeren und Zitrusfrüchte. Weniger Pektin enthalten beispielsweise Erdbeeren, Kirschen oder Pfirsiche. Bei ihnen reicht das fruchteigene Pektin häufig nicht aus, um zuverlässig die gewünschte Konsistenz zu erreichen. Aber nicht nur die Fruchtart spielt eine Rolle. Auch der Reifegrad ist wichtig. Während eine Frucht reift, verändert sich das enthaltene Pektin und wird teilweise abgebaut. Sehr reife Früchte können deshalb schlechter gelieren.

Pektin braucht die richtigen Bedingungen

Dass eine Frucht viel Pektin enthält, bedeutet noch nicht automatisch, dass eine Marmelade fest wird. Bei der klassischen Pektin-Gelierung spielen insbesondere Pektin, Zucker und Säure zusammen. Zucker bindet einen Teil des verfügbaren Wassers. Säure senkt den pH-Wert und erleichtert bei den traditionell verwendeten Pektinen die Ausbildung des Pektinnetzwerks. Deshalb kann beispielsweise Zitronensaft bei der Marmeladenherstellung mehr bewirken als nur einen säuerlichen Geschmack. Dabei gibt es allerdings verschiedene Pektinarten, die unter unterschiedlichen Bedingungen gelieren. Nicht jede Pektin-Gelierung benötigt deshalb dieselbe Menge Zucker.

2. Zugesetztes Pektin – wenn das natürliche Pektin nicht ausreicht

Enthält eine Frucht von Natur aus wenig Pektin oder soll eine bestimmte Konsistenz zuverlässig erreicht werden, kann Pektin zusätzlich zugesetzt werden. Das zugesetzte Pektin ist dabei nichts grundsätzlich anderes als das Pektin in der Frucht. Für die Lebensmittelherstellung wird es aus pektinreichen pflanzlichen Rohstoffen gewonnen, insbesondere aus Zitrusschalen und Apfeltrester (feste Rückstände aus der Pressung von Früchten, z.B. Fruchtfleisch, Kerngehäuse). Auf der Zutatenliste findet man es beispielsweise als: Geliermittel: Pektin. Pektin trägt die Zusatzstoffnummer E 440. Das „E“ bedeutet also nicht, dass es sich um einen künstlich hergestellten Stoff handeln muss. Es zeigt, dass der Stoff als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen ist. Ein Vorteil des separat zugesetzten Pektins besteht darin, dass die Menge gezielt auf Frucht und Rezeptur abgestimmt werden kann.

3. Gelierzucker – Zucker und Pektin bereits kombiniert

Gelierzucker ist streng genommen kein eigenes Geliermittel. Seine gelierende Wirkung beruht in der Regel ebenfalls auf zugesetztem Pektin. Er kombiniert Zucker mit Pektin und je nach Produkt weiteren Bestandteilen, die für eine zuverlässige Gelierung sorgen. Häufig ist beispielsweise Citronensäure oder ein anderer Säureregulator bzw. ein Säuerungsmittel enthalten. Bekannt sind vor allem Gelierzucker im Verhältnis 1:1, 2:1 und 3:1. Die Zahlen beschreiben das vorgesehene Verhältnis zwischen Frucht und Gelierzucker. Bei einem 2:1-Gelierzucker werden beispielsweise zwei Teile Frucht mit einem Teil Gelierzucker verarbeitet. Bei 3:1 erhöht sich der Fruchtanteil im Verhältnis zum Gelierzucker entsprechend. Je weniger Zucker eingesetzt wird, desto stärker muss die Rezeptur des Gelierzuckers darauf abgestimmt sein, trotzdem eine zuverlässige Gelierung zu ermöglichen. Manche Gelierzucker für zuckerreduzierte Aufstriche enthalten zusätzlich Konservierungsstoffe wie Sorbinsäure oder Sorbate. Diese sorgen nicht für die Gelierung. Ihre Aufgabe ist die Haltbarkeit. Darauf gehen wir in einem eigenen Ratgeber zu Konservierungs- und Säuerungsmitteln näher ein.

4. Agar-Agar – Gelieren ohne Pektin

Fruchtaufstriche können auch mit Agar-Agar geliert werden. Agar-Agar wird aus bestimmten Rotalgen gewonnen und besitzt eine ausgeprägte Gelierfähigkeit. Im Gegensatz zur klassischen Pektin-Gelierung ist dafür kein hoher Zuckergehalt erforderlich. Das macht Agar-Agar beispielsweise für Fruchtaufstriche interessant, die mit wenig Zucker hergestellt werden sollen. Die entstehende Struktur unterscheidet sich allerdings von einem klassischen Pektin-Gel. Agar-Agar kann bei höherer Dosierung relativ feste bis schnittfähige Gele bilden. Für einen weichen, gut streichfähigen Fruchtaufstrich muss die eingesetzte Menge deshalb genau auf die gewünschte Konsistenz abgestimmt werden.

5. Weitere Gelier- und Verdickungsmittel

Neben Pektin und Agar-Agar gibt es weitere Stoffe, mit denen sich die Konsistenz von Lebensmitteln verändern lässt. Dazu gehören beispielsweise Carrageen, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl oder Stärke. Allerdings sollte man zwischen Gelieren und Verdicken unterscheiden. Ein Geliermittel bildet eine Struktur, in der Flüssigkeit gebunden wird. Ein Verdickungsmittel erhöht dagegen vor allem die Zähflüssigkeit eines Lebensmittels. Deshalb fühlt sich ein mit Pektin gelierter Fruchtaufstrich anders an als eine lediglich mit Stärke oder einem Verdickungsmittel eingedickte Fruchtmasse. Nicht jedes Mittel, das einen Fruchtaufstrich fester macht, erzeugt also dieselbe Konsistenz.

Warum geliert eine Marmelade manchmal nicht?

Ob eine Marmelade die gewünschte Konsistenz erreicht, hängt nicht allein vom verwendeten Geliermittel ab. Eine Rolle spielen unter anderem Fruchtart und Reifegrad, Pektingehalt, Säuregehalt, Zuckermenge, Temperatur und Kochdauer. Auch viel Pektin hilft wenig, wenn die übrigen Bedingungen für die verwendete Pektinart nicht stimmen. Umgekehrt können pektinreiche Früchte unter passenden Bedingungen bereits mit ihrem natürlichen Pektin hervorragend gelieren. Nach dem Kochen braucht die Marmelade außerdem Zeit zum Abkühlen. Erst dabei bildet beziehungsweise festigt sich die endgültige Gelstruktur.

Natürliches Pektin, Gelierzucker oder Agar-Agar – was ist besser?

Ein grundsätzlich „bestes“ Geliermittel gibt es nicht. Entscheidend sind die verwendeten Früchte und das gewünschte Ergebnis.

Natürliches Pektin kann bei pektinreichen Früchten bereits zum Gelieren ausreichen.

Zugesetztes Pektin ermöglicht es, die Gelierung gezielt auf Frucht und Rezeptur abzustimmen.

Gelierzucker verbindet Zucker, Pektin und je nach Produkt weitere benötigte Bestandteile in einer fertigen Mischung.

Agar-Agar geliert nach einem anderen Prinzip und ermöglicht auch Rezepturen mit wenig oder ohne zugesetzten Zucker.

Weitere Gelier- und Verdickungsmittel können ebenfalls die Konsistenz beeinflussen, erzeugen aber nicht zwangsläufig die für Pektin typische Gelstruktur.

Nicht allein das Geliermittel entscheidet darüber, wie eine Marmelade oder ein Fruchtaufstrich später im Glas aussieht. Frucht, Geliermittel, Zucker, Säure und Verarbeitung wirken zusammen und bestimmen über das Ergebnis.

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