Zitronenverbene, Zitronenmelisse oder Zitronengras – was ist der Unterschied?
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Drei Pflanzen, ein zitroniger Duft – und trotzdem drei ganz unterschiedliche Charaktere. Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Zitronengras werden häufig miteinander verwechselt, weil alle ein frisches Zitrusaroma mitbringen. Botanisch, geschmacklich und bei der Verwendung unterscheiden sie sich jedoch deutlich.
Wer Kräutertee liebt oder gern mit frischen Kräutern kocht, sollte die Unterschiede kennen. Denn je nachdem, ob du einen feinen Tee, eine sanfte Kräuternote oder ein kräftiges Aroma für asiatische Gerichte suchst, eignet sich eine der drei Pflanzen besser als die anderen.
Zitronenverbene – intensiv, klar und elegant zitronig
Die Zitronenverbene (Aloysia citrodora) besitzt schmale Blätter mit einem sehr ausgeprägten Zitronenduft. Die Royal Horticultural Society beschreibt sie als stark zitronig duftende Pflanze; auch Kew führt sie als Nutzpflanze für Lebensmittel.
Geschmacklich wirkt Zitronenverbene meist klar, frisch und intensiv zitronig, ohne dabei die deutliche Säure einer echten Zitrone mitzubringen.
Wofür verwendet man Zitronenverbene?
Sie eignet sich besonders gut für:
- aromatische Kräutertees
- sommerliche Eistees
- Desserts und Obstgerichte
- Sirup und aromatisiertes Wasser
- feine Kräutermischungen
Im Tee: Zitronenverbene ist ideal, wenn du ein deutliches Zitronenaroma möchtest, der Tee aber trotzdem weich und kräuterig bleiben soll.
Sie eignet sich deshalb hervorragend als Hauptzutat in einer Mischung.
Zitronenmelisse – mild, weich und kräuterig
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütler und ist botanisch weder Verbene noch Gras. Kew führt sie als eigenständige Art, die traditionell sowohl als Lebensmittel als auch als Heilpflanze verwendet wird.
Ihr Aroma ist ebenfalls zitronig, allerdings meist sanfter und kräuteriger als das der Zitronenverbene.
Wofür verwendet man Zitronenmelisse?
Sie passt besonders gut zu:
- milden Kräutertees
- Abendtees und ruhigen Teemischungen
- kalten Sommergetränken
- Desserts
- Obstsalaten
- frischen Kräutergerichten
Im Tee: Zitronenmelisse eignet sich gut, wenn die Zitrusnote nicht im Vordergrund stehen soll. Sie verbindet sich sehr harmonisch mit anderen Kräutern und macht Mischungen häufig etwas weicher.
Melissenblätter werden außerdem traditionell als Kräutertee verwendet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Melissenblätter als traditionell verwendeten pflanzlichen Arzneistoff, unter anderem bei milden Stresssymptomen und leichten Verdauungsbeschwerden. Solche medizinischen Anwendungen sollten jedoch von der normalen Verwendung als Genuss-Tee getrennt betrachtet werden.
Zitronengras – kräftig, frisch und exotisch
Zitronengras (Cymbopogon citratus) sieht bereits völlig anders aus. Statt weicher Blätter bildet es lange, grasartige Halme und kräftigere Stängel.
Es wird besonders häufig in der südostasiatischen Küche verwendet. Der Missouri Botanical Garden beschreibt Zitronengras als typisches zitroniges Würzkraut unter anderem für die thailändische, vietnamesische, laotische und kambodschanische Küche; Blätter können zudem zum Aromatisieren von Tee verwendet werden.
Geschmacklich ist Zitronengras meist kräftiger, grüner und etwas herber als Zitronenverbene oder Melisse.
Übrigens: Lemongras ist einfach die englische bzw. im Handel häufig verwendete Bezeichnung für Zitronengras. Gemeint ist in der Regel Cymbopogon citratus.
Wofür verwendet man Zitronengras?
Besonders gut eignet es sich für:
- asiatische Suppen
- Currys
- Brühen
- Marinaden
- Tee und Kräutermischungen
- Eistee
- Ingwer-Zitronengras-Getränke
Im Tee: Zitronengras bringt eine deutlichere, fast exotische Zitrusnote ein. Es eignet sich deshalb gut für kräftige und erfrischende Mischungen.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Pflanze | Geschmack | Besonders geeignet für |
|---|---|---|
| Zitronenverbene | intensiv zitronig, fein, frisch | aromatische Kräutertees, Eistee, Desserts |
| Zitronenmelisse | mild zitronig, weich, kräuterig | sanfte Kräutertees, Mischungen, Desserts |
| Zitronengras | kräftig zitronig, grün, leicht exotisch | Tee, Eistee, Currys, Suppen |
Welche Pflanze nehme ich wofür?
Wenn du dich beim Einkauf oder bei der Teezubereitung fragst, „Welche davon brauche ich eigentlich?“, hilft eine einfache Orientierung:
Für einen feinen, deutlich zitronigen Tee:
→ Zitronenverbene
Sie liefert von den drei Pflanzen oft das klarste und eleganteste Zitronenaroma.
Für einen milden Kräutertee:
→ Zitronenmelisse
Ihre Zitrusnote ist zurückhaltender und fügt sich gut in Kräutermischungen ein.
Für einen kräftigen, frischen Tee oder Eistee:
→ Zitronengras
Es sorgt für eine markantere, etwas exotischere Note.
Für asiatische Küche:
→ Zitronengras
Hier ist es eindeutig die vielseitigste Wahl und wird traditionell als Würzzutat eingesetzt.
Für Desserts oder Obst:
→ Zitronenverbene oder Zitronenmelisse
Die Verbene eignet sich, wenn das Zitronenaroma deutlich erkennbar sein soll. Melisse ist besser, wenn nur eine leichte Frische gewünscht ist.
Kann man die drei Pflanzen miteinander kombinieren?
Ja – und gerade im Tee kann das sehr interessant sein.
Zitronenverbene bringt ein klares Zitrusaroma, Zitronenmelisse sorgt für eine weichere Kräuternote und Zitronengras gibt der Mischung mehr Kraft und Frische.
Eine Mischung aller drei kann deshalb deutlich komplexer schmecken als jede Pflanze allein. Dabei muss aber nicht immer alles gleichzeitig verwendet werden. Zwei Pflanzen reichen häufig schon aus:
Zitronenverbene + Zitronenmelisse
Fein, weich und harmonisch.
Zitronenverbene + Zitronengras
Intensiver, frischer und sehr zitronig.
Zitronenmelisse + Zitronengras
Mild-kräuterig mit etwas mehr Frische.
Welche schmeckt am stärksten nach Zitrone?
Wenn es allein um den Eindruck eines klaren Zitronendufts geht, ist Zitronenverbene besonders charakteristisch. Ihre Blätter werden ausdrücklich wegen ihres starken Zitronendufts beschrieben. Zitronengras wirkt ebenfalls deutlich zitronig, besitzt daneben aber eine grasige und würzigere Komponente. Zitronenmelisse ist im Vergleich meist die sanfteste Variante.
Wie bereitet man die Kräuter als Tee zu?
Für eine Kräuterteemischung können frische oder getrocknete Pflanzenteile verwendet werden. Bei fertigen Teemischungen solltest du dich immer an die auf der Verpackung angegebene Menge und Ziehzeit halten. Das ist besonders sinnvoll, weil sich das Verhältnis der einzelnen Kräuter von Mischung zu Mischung unterscheidet. Bei frischen Kräutern kann man die Blätter beziehungsweise das Zitronengras vor dem Aufgießen leicht andrücken oder zerkleinern. Dadurch werden mehr Aromastoffe freigesetzt.
Was passt zu welcher Jahreszeit?
Auch hier haben die drei Kräuter unterschiedliche Stärken.
Frühling: Zitronenmelisse
Leicht und kräuterig.
Sommer: Zitronenverbene
Sehr gut für frische Kräuter- und Eistees.
Sommer und warme Tage: Zitronengras
Besonders erfrischend, auch in Kombination mit Ingwer.
Herbst und Winter: alle drei
Als Bestandteil warmer Kräutermischungen bringen sie eine frische Note zwischen kräftigere Kräuter und Gewürze.
Die drei Zitronenkräuter in unseren Teemischungen
Wer die Unterschiede nicht nur lesen, sondern auch schmecken möchte, findet die drei Kräuter in verschiedenen Teemischungen aus unserem Sortiment.
Zitronenverbene und Zitronengras gemeinsam:
Unser Frühstückstee verbindet Zitronenverbene und Zitronengras mit Drachenkopf, Pfefferminze und Ringelblume. Dadurch lässt sich sehr schön erleben, wie die feine Zitronennote der Verbene mit der frischeren, etwas kräftigeren Art des Zitronengrases zusammenspielt.
Zitronenmelisse in milden Kräutermischungen:
Zitronenmelisse ist in mehreren unserer Tees enthalten. Im Kräutertee Nr. 1 wird sie mit klassischen Kräutern und Blüten kombiniert, während sie im Thüringer Kräutergärtchen gemeinsam mit Drachenkopf und Apfelminze eine besonders kräuterbetonte Mischung bildet.
Zitronenmelisse und Zitronengras (engl. Lemongras) zusammen:
Im Schlafwohltee treffen Zitronenmelisse und Lemongras direkt aufeinander. Damit eignet sich diese Mischung besonders gut, um den Unterschied zwischen der weicheren Melisse und der kräftigeren Zitrusnote des Lemongrases zu entdecken.
Zitronenmelisse in einer Abendmischung:
Auch der Gute-Nacht-Tee mit Hopfen enthält Zitronenmelisse – hier zusammen mit Johanniskraut, Drachenkopf, Hagebutte und Hopfen.
Drei Zitronenkräuter – drei unterschiedliche Einsatzgebiete
Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Zitronengras ähneln sich vor allem in einem Punkt: Alle erinnern geschmacklich an Zitrone.
Danach beginnen bereits die Unterschiede.
Zitronenverbene ist die richtige Wahl für einen klaren, intensiven und feinen Zitronengeschmack.
Zitronenmelisse eignet sich besonders für milde, harmonische Kräutertees und zurückhaltende Zitrusnoten.
Zitronengras bringt mehr Kraft und einen leicht exotischen Charakter mit und ist zusätzlich ein Klassiker der südostasiatischen Küche.
Welche Pflanze am besten passt, hängt deshalb weniger davon ab, welche „besser“ ist, sondern wofür du sie verwenden möchtest.